
Die Gage ist das, was auf dem Vertrag steht. Was sie am Ende wert ist, entscheidet sich daneben: bei der Anreise, der Übernachtung, der Verpflegung am Set und den Stunden, die über die vereinbarte Drehdauer hinausgehen. Diese Positionen übernimmt niemand automatisch. Manche Produktionen erstatten sie vollständig, viele gar nicht, und dazwischen liegt jede Variante. Wer das erst am Drehtag anspricht, verhandelt zum schlechtesten Zeitpunkt. Dieser Beitrag geht die Posten einzeln durch und zeigt, wie du sie vor der Zusage festhältst.
Anreise mit Bahn oder Auto
Drehorte liegen selten dort, wo du wohnst. Bei einer Bahnfahrt ist der Betrag eindeutig belegt — Ticket kaufen, Beleg behalten, fertig. Beim eigenen Auto ist er es nicht, weshalb du vorher wissen solltest, wie abgerechnet wird: nach tatsächlichen Kosten, nach einer Kilometerpauschale oder gar nicht.
Konkrete Beträge nennen wir hier nicht, weil sie von Strecke, Verkehrsmittel und Produktion abhängen. Was du aber vorher klären kannst, ist die Systematik: Wird erstattet? Wenn ja, wie und gegen welchen Nachweis? Wird die Buchung von der Produktion selbst vorgenommen?
Die dritte Variante ist übrigens die angenehmste. Wenn die Produktion das Ticket bucht, fällst du nicht in Vorleistung und trägst kein Risiko, wenn der Termin platzt. Frag danach, bevor du selbst buchst.
Ein Detail lohnt die Frage: Wird die Erstattung mit der Gage zusammen ausgezahlt oder getrennt? Zusammen auf einer Abrechnung ist übersichtlicher, weil du sofort siehst, ob eine Position fehlt oder gekürzt wurde.
Übernachtung bei weiter Anreise
Beginnt der Drehtag früh und liegt der Ort mehrere Stunden entfernt, ist eine Anreise am Vorabend sinnvoll. Übermüdet zu einem langen Drehtag zu erscheinen, ist keine Sparmaßnahme, sondern ein Risiko für den ganzen Tag.
Wer die Übernachtung trägt, ist Verhandlungssache. Üblich ist, dass Produktionen sie bei größerer Entfernung übernehmen oder direkt buchen. Ebenso üblich ist, dass sie es nicht anbieten, solange niemand fragt.
Ein Punkt zur Sicherheit: Eine Übernachtung findet im Hotel oder in einer gebuchten Unterkunft statt, nicht privat bei Beteiligten der Produktion. Ein Angebot, bei jemandem aus dem Team zu übernachten, lehnst du ab — genauso wie ein Casting nie in einer Privatwohnung stattfindet. Warum das eine feste Regel ist, steht unter Sicherheit.
Verpflegung am Set
Bei professionellen Produktionen ist Catering oder wenigstens eine Verpflegung während der Drehpausen selbstverständlich. Bei kleineren Produktionen ist es das nicht immer.
Das ist kein großer Kostenpunkt, aber ein guter Indikator. Eine Produktion, die für einen Zehnstundentag nichts zu essen und zu trinken bereitstellt, hat entweder kein Budget oder wenig Erfahrung. Beides ist eine Information, die du vor der Zusage haben willst.
Praktisch: Frag nach, ob Verpflegung gestellt wird, und nimm unabhängig davon etwas mit. Ein Drehtag zieht sich, und Wartezeiten fallen selten dort an, wo ein Supermarkt in der Nähe ist. Wie ein Drehtag zeitlich abläuft, steht in Ein Drehtag von der Anreise bis zum Feierabend.
Wartezeit über die vereinbarte Dauer
Der Posten, der am meisten Geld kostet und am seltensten geregelt ist. Ein Drehtag verzögert sich aus zahllosen Gründen: Technik, Licht, Ausfall einer Person, Wiederholungen, Umbauten. Das ist normal und niemandes Schuld.
Zum Problem wird es, wenn die vereinbarte Drehdauer überschritten wird und nichts darüber vereinbart ist. Dann sitzt du im Zweifel drei Stunden länger da, ohne dass sich an deiner Gage etwas ändert — und mit einem Zug, der ohne dich fährt.
Regeln lässt sich das vorher, entweder als Stundensatz ab Überschreitung der vereinbarten Dauer oder als Pauschale ab einer bestimmten Grenze. Voraussetzung dafür ist, dass die vereinbarte Drehdauer überhaupt in Stunden im Vertrag steht. Steht dort nur „ein Drehtag“, gibt es keine Überschreitung, die man messen könnte. Zu diesem und den anderen verhandelbaren Punkten gibt es unseren Beitrag zum Verhandeln der Gage.
Wenn kurzfristig abgesagt wird
Drehs fallen aus. Wer die Kosten trägt, wenn die Produktion kurz vor dem Termin absagt, ist eine Frage, die vorher geklärt gehört — besonders wenn du Ticket und Hotel bereits gebucht hast.
Zwei Punkte gehören in die Vereinbarung. Erstens: Werden bereits entstandene Kosten ersetzt, wenn die Produktion absagt? Zweitens: Gibt es eine Ausfallvergütung, wenn die Absage sehr kurzfristig kommt und der Tag für dich blockiert war?
Beides ist üblich, aber nicht selbstverständlich. Wenn eine Produktion beides ablehnt, weißt du, wer bei einer Absage das Risiko trägt. Das ist keine Katastrophe — du kannst es einkalkulieren und Buchungen entsprechend spät oder flexibel vornehmen. Nur wissen solltest du es vorher. Bei einer Vermittlung über uns gehen wir diese Punkte mit dir durch, siehe Ablauf.
Wie du das schriftlich festhältst
Schriftlich heißt nicht kompliziert. Eine Mail, die die Absprache zusammenfasst und von der Produktion bestätigt wird, genügt und ist im Streitfall belastbarer als jede Erinnerung.
Sinnvoll ist eine kurze Liste, immer dieselbe: vereinbarte Drehdauer in Stunden, Regelung für Überschreitung, Erstattung der Anreise und in welcher Form, Übernachtung und wer sie bucht, Verpflegung am Set, Regelung bei Absage durch die Produktion.
Formuliere es sachlich als Bestätigung, nicht als Forderung: „Zur Sicherheit fasse ich zusammen, was wir vereinbart haben.“ Damit bringst du niemanden in eine Verteidigungsposition und hast trotzdem einen Beleg. Kommt keine Antwort, frag einmal nach. Kommt dann noch keine, ist auch das eine Antwort — woran du unseriöse Angebote erkennst, steht in Unseriöse Angebote erkennen.
Steuerlich sind das Betriebsausgaben
Als selbstständige Darstellerin oder selbstständiger Darsteller versteuerst du deinen Gewinn, nicht deine Einnahmen. Betrieblich veranlasste Kosten mindern diesen Gewinn — dazu gehören Fahrten zum Drehort, Übernachtungen aus beruflichem Anlass und weitere berufsbedingte Ausgaben.
Zwei Regeln machen den Unterschied. Erstens: Ohne Belege gibt es keine Betriebsausgabe. Sammle Tickets, Rechnungen und Quittungen konsequent, am besten sofort abfotografiert. Zweitens: Erstattete Kosten sind keine Ausgabe mehr. Was die Produktion dir zusätzlich zur Gage überweist, ist Einnahme, und die dazugehörige Rechnung ist die Ausgabe — beides gehört in die Buchhaltung, nicht nur eine Seite davon.
Wie Verpflegungspauschalen, Fahrtkosten und gemischt genutzte Anschaffungen im Einzelnen behandelt werden, hängt von deiner Situation ab und ändert sich mit der Rechtslage. Die Grundzüge stehen in Gewerbe und Steuern für Darsteller, für die konkrete Anwendung brauchst du steuerlichen Rat.
Hinweis: Dieser Beitrag ordnet allgemein ein und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Für die Behandlung deiner Ausgaben im Einzelfall wende dich an eine Steuerberatung.
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