
Wer vor der Kamera arbeitet, ist in aller Regel selbständig. Kein Arbeitsvertrag, kein Urlaubsanspruch, keine Lohnsteuer, die jemand für dich abführt. Das ist kein Nachteil, aber es verlangt, dass du dich einmal damit befasst. Für eine Pornodarstellerin sind Steuern und Gewerbe kein Sonderfall: Es gelten dieselben Regeln wie für jede andere gewerbliche Tätigkeit, nur erklärt sie dir niemand am ersten Arbeitstag. Dieser Beitrag gibt den Überblick über Anmeldung, Umsatzsteuer, Gewinn und Rücklagen und verweist für die Einzelthemen dorthin, wo sie ausführlich stehen.
Selbstständig heißt: du meldest an, du rechnest ab
Vier Aufgaben, die sonst eine Personalabteilung übernimmt, liegen jetzt bei dir: die Tätigkeit anmelden, Rechnungen stellen, Einnahmen und Ausgaben aufzeichnen, Steuer zurücklegen. Nichts davon ist kompliziert, aber nichts davon passiert von allein.
Wichtig ist die Abgrenzung nach unten. Wer für eine Produktion nach Weisung zu festen Zeiten arbeitet und in deren Betrieb eingebunden ist wie eine Angestellte, kann in die Scheinselbstständigkeit geraten. Bei projektweisen Drehs mit eigener Terminhoheit und mehreren Auftraggebern ist das nicht der Regelfall.
Wann aus der Tätigkeit ein Gewerbe wird
Eine einzelne Produktion aus Neugier ist noch kein Gewerbe. Sobald die Tätigkeit auf Dauer und mit Gewinnerzielungsabsicht ausgeübt wird, ist sie eines — und dann ist sie beim Gewerbeamt anzumelden. Die Anmeldung kostet je nach Kommune zwischen 20 und 60 Euro.
Die Entscheidung liegt nicht im Ermessen. Wer regelmäßig dreht und dafür Rechnungen stellt, ist gewerblich tätig, unabhängig davon, wie er es nennt.
Was nach der Anmeldung kommt
Auf die Gewerbeanmeldung folgt der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, den das Finanzamt elektronisch erwartet. Daraus ergeben sich die Steuernummer, die auf deine Rechnungen gehört, und die Entscheidung über die Umsatzsteuer. Gewerbesteuer fällt bei natürlichen Personen erst oberhalb eines Freibetrags von 24.500 Euro Gewerbeertrag an; in den ersten Jahren ist das für die meisten kein Thema.
Umsatzsteuer und Kleinunternehmerregelung
Wer im vorangegangenen Kalenderjahr unter 25.000 Euro Umsatz lag und im laufenden Jahr voraussichtlich 100.000 Euro nicht überschreitet, kann die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG nutzen. Dann weist du keine Umsatzsteuer aus und führst keine ab. Auf der Rechnung steht dafür ein Hinweis auf die Regelung.
Der Preis dafür: Du kannst auch keine Vorsteuer aus deinen eigenen Ausgaben ziehen. Wer viel investiert — Technik, Reisen, Ausstattung — fährt unter Umständen mit der Regelbesteuerung besser. Das ist eine Rechnung, die man einmal aufstellt. Wie sie im Einzelnen aussieht und woran die Entscheidung hängt, steht im Beitrag zur Kleinunternehmerregelung.
Die Betragsgrenzen wurden zum 1. Januar 2025 angehoben. Prüfe die aktuellen Werte, bevor du dich festlegst.
Einkommensteuer: versteuert wird der Gewinn
Gewinn heißt Einnahmen minus Betriebsausgaben, nicht Umsatz. Für die meisten reicht die Einnahmenüberschussrechnung — eine Gegenüberstellung der beiden Seiten, keine doppelte Buchführung.
Absetzbar ist, was betrieblich veranlasst ist: Fahrten zum Drehort, Übernachtungen, Ausstattung, Kosmetik für die Arbeit, Tests, Fortbildung, Teile der Telefon- und Internetkosten, Steuerberatung. Belege sammeln, zehn Jahre aufbewahren. Welche dieser Posten die Produktion ohnehin erstattet und welche bei dir hängen bleiben, klärt der Beitrag zu Reisekosten, Spesen und Wartezeit.
Nebenberuflich ändert an der Steuerpflicht nichts. Wer angestellt ist und zusätzlich dreht, hat Einkünfte aus zwei Quellen; sie werden zusammengerechnet, und der Steuersatz richtet sich nach der Summe. Dieselbe Gage kostet neben einem gut bezahlten Hauptberuf deshalb mehr Steuer als ohne ihn. Ein Blick in den Arbeitsvertrag lohnt sich zusätzlich, weil dort Nebentätigkeiten geregelt sein können.
Eine Beispielrechnung für das erste Jahr
Zwanzig Drehtage, davon zwölf Videoproduktionen zu je 600 Euro und acht Fotoproduktionen zu je 350 Euro: 7.200 plus 2.800, also 10.000 Euro Umsatz. Davon gehen Betriebsausgaben ab, sagen wir 2.500 Euro für Fahrten, Ausstattung und Beratung. Bleiben 7.500 Euro Gewinn. Die Gagenspannen, aus denen diese Zahlen stammen, stehen auf der Seite zum Verdienst.
Was darauf an Steuer anfällt, hängt an deinen übrigen Einkünften und lässt sich hier nicht ausrechnen. Sicher ist nur der Zeitpunkt: Die Steuer wird nicht laufend abgezogen, sondern nach der Erklärung fällig — oft mit einem Jahr Verzögerung und dann zusammen mit einer Vorauszahlung für das laufende Jahr. Im zweiten Jahr treffen deshalb zwei Beträge aufeinander.
Genau daran scheitern die meisten, nicht an der Erklärung selbst. Als Faustregel: 30 Prozent jeder Gage auf ein separates Konto, das nicht angefasst wird. Bei den 10.000 Euro aus dem Beispiel liegen dort 3.000 Euro, wenn der Bescheid kommt.
Krankenversicherung und Vorsorge
Wer hauptberuflich selbstständig ist, zahlt die Krankenversicherung vollständig selbst. Die Kasse setzt den Beitrag anhand des Einkommens fest und rechnet nach dem Steuerbescheid nach — auch das ein Betrag, der später kommt als die Einnahme, die ihn auslöst.
Ob eine Tätigkeit als nebenberuflich gilt und damit über die Hauptbeschäftigung abgedeckt bleibt, entscheidet die Krankenkasse anhand von Arbeitszeit und Einkommen. Frag dort nach, bevor du dich darauf verlässt. Bei der Rentenversicherung hängt es ebenfalls von der Einordnung ab, ob Versicherungspflicht besteht; die Deutsche Rentenversicherung prüft den Status auf Antrag. Automatisch schließt niemand die Vorsorgelücke.
Was auf die Rechnung gehört
Die Rechnung stellst du, nicht die Produktion. Pflicht sind unter anderem dein vollständiger Name und deine Anschrift — nicht der Künstlername —, Name und Anschrift des Auftraggebers, deine Steuernummer, Rechnungsdatum, eine fortlaufende Nummer, Leistungsbeschreibung und Leistungszeitraum sowie der Betrag: bei Regelbesteuerung Netto, Steuersatz und Steuerbetrag getrennt, bei Kleinunternehmern der Hinweis auf § 19 UStG. Die vollständige Liste und die typischen Fehler stehen im Beitrag zum Rechnung schreiben.
Die Rechnungsanschrift ist der Punkt, an dem Anonymität und Steuerrecht kollidieren. Der Auftraggeber braucht deine echten Daten, weil er die Zahlung als Betriebsausgabe verbucht. Öffentlich wird davon nichts: Der Künstlername steht im Film, der bürgerliche Name im Buchhaltungsordner.
Was oft falsch verstanden wird
„Unter 2.000 Euro ist steuerfrei.“ Ist es nicht. Diese Zahl stammt aus den Meldepflichten von Onlineplattformen — sie bestimmt, ab wann eine Plattform Daten ans Finanzamt meldet, nicht ab wann Einkünfte steuerpflichtig sind. Steuerpflichtig sind sie ab dem ersten Euro.
„Bar ist unsichtbar.“ Bareinnahmen sind genauso zu erfassen. Die Produktion bucht die Zahlung als Ausgabe, das ist die Gegenseite derselben Buchung. Bei uns gibt es ohnehin keine Barzahlung: Ausgezahlt wird innerhalb von 14 Tagen per Überweisung, zusammen mit einer Abrechnung, die du für deine Aufzeichnungen brauchst.
„Der Künstlername genügt.“ Für die Öffentlichkeit ja, für Rechnung und Steuererklärung nein.
„Ohne Gewinn keine Erklärung.“ Auch ein Verlust gehört in die Erklärung — und er kann sich mit anderen Einkünften verrechnen.
Was wir übernehmen und was nicht
Wir sagen dir vor jedem Dreh, was du bekommst, und wir stellen sicher, dass die Produktion pünktlich zahlt. Eine Provision von deiner Gage nehmen wir nicht; bezahlt werden wir von der Produktion. Was wir nicht tun: Rechnungen für dich ausstellen, Steuern für dich abführen oder steuerlich beraten.
Für den Anfang genügt ein einmaliger Termin bei einem Steuerberater. Das kostet etwa 150 bis 250 Euro und erspart die teuren Fehler. Nimm die Zahlen aus deinem ersten halben Jahr mit, dann ist der Termin in einer Stunde erledigt.
Hinweis: Dieser Beitrag ordnet allgemein ein und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.
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