Lexikon · Rollen und Formate
Implied Nude
Eine Produktionsform, bei der Nacktheit angedeutet, aber nicht gezeigt wird, weil Hände, Stoffe, Requisiten oder der Bildausschnitt die Intimbereiche verdecken.
Eine Produktionsform, bei der die Person vor der Kamera ganz oder teilweise unbekleidet ist, die Intimbereiche im fertigen Bild aber verdeckt bleiben — durch Hände, Arme, Stoffe, Requisiten, Haltung oder den gewählten Bildausschnitt. Die Nacktheit wird angedeutet, nicht gezeigt. Gegenüber Non-Nude ist das ein deutlicher Schritt, weil am Set mehr zu sehen ist als später im Ergebnis.
Der Unterschied zwischen Set und Bild
Hier liegt der Kern des Formats. Bei Non-Nude ist das, was die Kamera aufnimmt, ungefähr das, was veröffentlicht wird. Bei Implied Nude entsteht Material, das mehr zeigt als vereinbart: eine verrutschte Hand, ein Moment zwischen zwei Posen, eine Aufnahme mit zu weitem Ausschnitt. Dieses Rohmaterial existiert, auch wenn es nie veröffentlicht werden soll.
Deshalb regelt ein guter Vertrag nicht nur, was im fertigen Bild zu sehen ist, sondern auch, was mit allem anderen geschieht: wer es sichtet, wie lange es gespeichert wird und wann es gelöscht wird.
Auch die Arbeit am Set verlangt mehr Abstimmung. Die Abdeckung muss in jeder Pose stimmen, und kleine Bewegungen verändern, was im Bild ist. Eine gute Fotografin oder ein guter Fotograf sagt vor jedem Motiv, welcher Ausschnitt geplant ist, und zeigt dir auf Wunsch Aufnahmen auf dem Monitor.
Sechs Punkte für den Vertrag
- Sichtbarkeitsgrenze. Welche Bereiche im veröffentlichten Material verdeckt bleiben, konkret benannt.
- Abdeckung am Set. Ob Klebeschutz, hautfarbene Wäsche oder Bademäntel zwischen den Motiven gestellt werden.
- Anwesende Personen. Wer während der Aufnahmen im Raum ist. Ein reduziertes Team ist üblich und lässt sich vereinbaren.
- Bildauswahl. Ob du vor der Veröffentlichung eine Auswahl sehen und Aufnahmen ablehnen kannst.
- Retusche. Dass Bilder nicht nachträglich so bearbeitet werden, dass Verdecktes sichtbar wird.
- Umgang mit Ausschuss. Löschung nicht verwendeter Aufnahmen nach einer festen Frist.
Die eigene Grenze vorher bestimmen
Ob Implied Nude für dich infrage kommt, gehört auf deine Ja-Nein-Vielleicht-Liste. Steht es dort unter Vielleicht, sprich vor dem Termin genau durch, welche Motive geplant sind. Am Set gilt: Was nicht vereinbart war, wird nicht fotografiert, auch wenn es nur um ein einzelnes Bild geht. Das Abbruchrecht gilt in jedem Moment.
Gage und Kanäle
Vergütet wird nach den üblichen Spannen, 250 bis 600 Euro pro Fototag oder 400 bis 1.200 Euro pro Videotag. Implied-Nude-Material wird oft auf Kanälen eingesetzt, die explizite Inhalte nicht erlauben, Andeutung aber zulassen. Das bedeutet eine breite Verwertung. Lies im Model Release nach, wo die Bilder erscheinen dürfen und ob sie als Vorschau für explizite Produktionen genutzt werden. Wer das ausschließen will, muss es ausdrücklich vereinbaren.
Wenn später etwas auftaucht
Erscheint Material, das mehr zeigt als vereinbart, ist das ein Vertragsverstoß. Sichere Belege, also Screenshots mit Adresse und Datum, und wende dich an die Produktion und deine Agentur. Welche Wege zur Löschung es gibt und wo sie enden, beschreibt der Beitrag Löschung und Widerruf nach dem Dreh.
Offene Frage dazu?
Begriffe erklären das Was, nicht immer das Wie im eigenen Fall. Wenn du wissen willst, was das konkret für dich bedeutet, frag uns — daraus muss keine Bewerbung werden. Viele Antworten stehen schon bei den häufigen Fragen.