Lexikon · Sicherheit und Consent
Sextortion
Die Erpressung mit echten oder gefälschten intimen Aufnahmen, um Geld, weiteres Material oder sexuelle Handlungen zu erzwingen.
Sextortion ist die Erpressung einer Person mit intimen Bildern oder Videos, verbunden mit der Drohung, diese an Familie, Arbeitgeber oder die Öffentlichkeit zu schicken, wenn nicht gezahlt oder weiteres Material geliefert wird. Das Material kann echt, gestohlen oder vollständig gefälscht sein. Das Wort setzt sich aus dem englischen „sex“ und „extortion“ für Erpressung zusammen.
Warum Darsteller ein besonderes Ziel sind
Bei Menschen, die öffentlich drehen, liegt das Druckmittel meist nicht im Material selbst, das ohnehin veröffentlicht ist. Es liegt in der Verknüpfung. Erpresser drohen, den Künstlernamen mit dem Klarnamen, dem Arbeitgeber oder dem Wohnort zu verbinden. Wer nebenberuflich und diskret dreht, ist dafür besonders angreifbar.
Ein zweites Muster beginnt vor der Branche: Bei einem angeblichen Casting werden vorab „Probefotos“ ohne Kleidung verlangt. Seriöse Agenturen brauchen solche Bilder für eine Bewerbung nicht. Wer sie trotzdem fordert, sammelt Material, kein Portfolio.
Typisch ist außerdem Zeitdruck. Erpresser setzen Fristen von wenigen Stunden oder schicken eine Liste mit Kontakten aus deinem Umfeld, um ihre Drohung glaubwürdig wirken zu lassen. Manche Erpressungsnachrichten sind Massenschreiben ohne echtes Material. Ob das im eigenen Fall so ist, musst du nicht selbst herausfinden, das ist Aufgabe der Polizei.
Die ersten Stunden: was du tust
- Nicht zahlen. Eine Zahlung beendet die Erpressung nicht, sie bestätigt, dass Druck wirkt. In vielen Fällen folgt die nächste Forderung.
- Kein weiteres Material schicken und nicht verhandeln. Jede Antwort liefert dem Erpresser Informationen.
- Beweise sichern. Screenshots der Nachrichten mit Datum und Uhrzeit, Profilnamen, Profiladressen, Telefonnummern, Zahlungsdaten wie Kontonummern oder Wallet-Adressen. Den Chatverlauf nicht löschen.
- Kontakt blockieren, nachdem alles gesichert ist.
- Anzeige erstatten. Das geht bei jeder Polizeidienststelle und in vielen Bundesländern über eine Onlinewache. Erpressung ist strafbar, ebenso kann die Verbreitung intimer Aufnahmen ohne Einwilligung strafbar sein.
- Plattformen melden. Soziale Netzwerke und Messenger haben eigene Meldewege für Erpressung und nicht einvernehmliche intime Inhalte. Taucht Material auf, hilft ein Takedown.
Das Vorgehen im Detail beschreibt der Beitrag Leaks und Erpressung: sofort richtig reagieren.
Nicht allein damit bleiben
Erpressung wirkt über Isolation: Der Täter setzt darauf, dass du aus Scham mit niemandem sprichst. Beratungsstellen gegen digitale Gewalt kennen diese Fälle, helfen beim Sichern und begleiten zur Anzeige. Das bundesweite Hilfetelefon für Frauen, die Gewalt erleben, ist rund um die Uhr erreichbar. Wenn du über unsere Agentur gebucht bist, sag uns Bescheid. Bei Material aus einer Produktion kann die Produktion als Rechteinhaber gegen Veröffentlichungen vorgehen.
Vorbeugen, ohne sich zu verstecken
Trenne Künstleridentität und Privatleben konsequent: eigene E-Mail-Adresse, eigene Telefonnummer, gesperrte private Profile. Schicke intime Bilder an niemanden, den du nicht kennst, und an keinen Anbieter, der sie für eine Bewerbung verlangt. Was sich an Anonymität realistisch erreichen lässt, steht in den Einträgen zu Doxxing und Metadaten.
Offene Frage dazu?
Begriffe erklären das Was, nicht immer das Wie im eigenen Fall. Wenn du wissen willst, was das konkret für dich bedeutet, frag uns — daraus muss keine Bewerbung werden. Viele Antworten stehen schon bei den häufigen Fragen.