Lexikon · Sicherheit und Consent
Machtgefälle
Das ungleiche Verhältnis zwischen Produktion und Darstellern, das entsteht, wenn eine Seite über Buchungen, Geld, Ort und Ablauf bestimmt.
Ein Machtgefälle ist das ungleiche Verhältnis zwischen zwei Seiten, bei dem eine Seite deutlich mehr Einfluss auf Entscheidungen, Abläufe und Folgen hat als die andere. In Erotikproduktionen besteht es typischerweise zwischen der Produktion, die bucht, bezahlt und den Ort stellt, und den Darstellerinnen und Darstellern, die gebucht werden. Es ist kein Vorwurf an einzelne Personen, sondern eine Struktur, die man kennen muss, um mit ihr umzugehen.
Woher das Gefälle kommt
Mehrere Faktoren kommen zusammen und verstärken sich gegenseitig:
- Buchungen: Wer über künftige Aufträge entscheidet, hat Einfluss, auch ohne ihn auszusprechen.
- Geld: Die Gage hängt vom Abschluss des Drehtags ab, und eine Absage fühlt sich teuer an.
- Ort: Am Set bist du Gast in fremden Räumen, oft ohne eigenes Fahrzeug und mit fremdem Team.
- Wissen: Produktionen kennen Abläufe, Verträge und Üblichkeiten, Einsteiger kennen sie oft nicht.
- Erfahrung: Zwischen erfahrenen Darstellern und Neulingen besteht ebenfalls ein Gefälle, auch innerhalb einer Szene.
Wie es sich am Set zeigt
Selten durch offene Drohungen. Viel häufiger durch Zeitdruck, durch Andeutungen, durch ein Team, das wartet, oder durch Sätze wie „das machen hier alle“. Typisch ist die Nachverhandlung am Drehtag: Eine zusätzliche Handlung wird vorgeschlagen, wenn ein Nein gerade besonders schwer fällt. Auch fehlende Informationen gehören dazu, etwa wenn du erst am Set erfährst, mit wem du drehst.
Ein Machtgefälle verändert, was Zustimmung bedeutet. Ein Ja unter Druck ist kein freies Ja, und genau darum geht es beim Begriff Consent.
Welche Regeln ausgleichen
Seriöse Strukturen verringern das Gefälle, indem sie Entscheidungen aus der Drucksituation herausnehmen. Bei uns gelten dafür feste Regeln:
- Castings finden nie in einer Privatwohnung statt, sondern im Studio oder in einer gebuchten Location, mit mindestens drei Personen und ohne sexuelle Handlungen.
- Eine Begleitperson ist beim Casting ausdrücklich erlaubt.
- Die Ja-Nein-Vielleicht-Liste ist Vertragsbestandteil und wird vor dem Dreh festgelegt.
- Bewerbungen kosten nichts, und du bekommst innerhalb von 48 Stunden eine Antwort, auch bei einer Absage.
- Die Auszahlung erfolgt innerhalb von 14 Tagen per Überweisung, nicht bar am Set.
Mehr dazu steht auf der Seite Sicherheit.
Was du selbst tun kannst
Triff wichtige Entscheidungen vor dem Drehtag, nicht am Set. Lies Verträge in Ruhe und mit Zeit für Rückfragen. Nimm zum Casting eine Vertrauensperson mit, wenn du dich damit sicherer fühlst. Sorge dafür, dass du jederzeit selbstständig abreisen kannst, also mit eigenem Ticket oder genug Geld für die Rückfahrt.
Und behalte im Kopf, dass die Agentur von der Produktion bezahlt wird, nicht von dir. Das ist kein Widerspruch zu unserer Aufgabe, aber ein Grund, warum klare Regeln und ein verlässlicher Beschwerdeweg so wichtig sind.
Warnsignale
Vorsicht ist angebracht, wenn jemand Einzeltreffen ohne Zeugen vorschlägt, Kosten von dir verlangt, über künftige Buchungen Druck aufbaut oder dich bittet, die Agentur nicht einzubeziehen. Das sind keine Zufälle, sondern Zeichen dafür, dass jemand das Gefälle bewusst nutzt.
Offene Frage dazu?
Begriffe erklären das Was, nicht immer das Wie im eigenen Fall. Wenn du wissen willst, was das konkret für dich bedeutet, frag uns — daraus muss keine Bewerbung werden. Viele Antworten stehen schon bei den häufigen Fragen.