
Die Arbeitsweise einer Castingagentur im Erotikbereich ist kein Geheimnis, wird aber selten beschrieben. Eine Agentur dreht nicht und verwertet nichts. Sie sitzt zwischen Produktion und Besetzung, nimmt Anfragen an, schlägt passende Personen vor, verhandelt Konditionen, prüft Verträge und koordiniert Termine. Wovon sie dabei lebt, entscheidet über alles andere — deshalb steht das hier offen. Dieser Beitrag beschreibt die Schritte am eigenen Beispiel, benennt die Einnahmequelle und sagt auch, was Vermittlung nicht leisten kann. Als Beschreibung einer Arbeitsweise, nicht als Empfehlung.
Was zwischen Anfrage und Drehtermin passiert
Der Anfang ist fast immer eine Anfrage aus einer Produktion, nicht eine Bewerbung. Sie enthält Rolle, Datum, Inhalt, Drehort, Format und ein Budget. Aus diesen Angaben ergibt sich, wer überhaupt in Frage kommt.
Danach läuft es in Schritten ab, die sich bei jeder Besetzung wiederholen:
- Abgleich. Wer ist am Datum verfügbar, passt zum Format und hat die verlangten Inhalte in seiner Grenzenliste nicht ausgeschlossen.
- Rückfrage bei dir. Du erfährst vor jeder Zusage, was gedreht wird, mit wem, wie lange, wo und für welche Gage. Ohne diese Angaben gibt es keine Anfrage an dich.
- Vorschlag an die Produktion. Meist mehrere Personen, damit die Produktion auswählen kann und der Termin nicht an einer einzelnen Zusage hängt.
- Konditionen verhandeln. Gage, Drehdauer, Zuschläge, Erstattung von Anreise, Zahlungsfrist.
- Vertrag prüfen. Nutzungsrechte, Laufzeit, Gebiet, Weiterlizenzierung, Vertragsstrafen, Grenzen als Anlage.
- Termin koordinieren. Anreise, Ankunftszeit, Ansprechpartner am Set, Nachweise und Tests.
- Vermitteln, wenn etwas schiefgeht. Verzögerungen, Abweichungen vom Drehplan, offene Zahlungen.
Der Ablauf im Einzelnen, von der ersten Nachricht bis zum Drehtag, steht auf der Seite zum Ablauf.
Wovon eine Agentur lebt
Die Einnahme kommt von der Produktion. Für eine erfolgreiche Besetzung zahlt die buchende Produktion eine Vermittlungsprovision — nicht die Person, die vermittelt wird.
Für dich heißt das konkret: Bewerbung, Gespräch, Casting, Vermittlung und Vertragsprüfung sind kostenlos. Von deiner Gage wird nichts abgezogen. Es gibt keine Kartei- oder Bearbeitungsgebühr, keine Kosten für Fotos, keine Aufwandsentschädigung für ein Casting und keine kostenpflichtige Altersprüfung vor dem Formular.
Diese Konstruktion ist in der Vermittlungsbranche nicht exotisch. Ein in Europa tätiger Anbieter weist in seinen Bedingungen für Produktionen offen aus, dass die Provision zwischen zehn und zwanzig Prozent der Darstellergage liegt und dass sie der Produzent trägt und ausdrücklich nicht das Model. Wer so abrechnet, verdient nur, wenn eine Besetzung tatsächlich zustande kommt.
Warum die Zahlungsrichtung alles entscheidet
Aus der Frage, wer bezahlt, folgt die gesamte Interessenlage einer Agentur. Wird sie von der Produktion bezahlt, verdient sie an erfolgreichen Vermittlungen. Dann ist es in ihrem Interesse, dass du zum Termin passt, gut vorbereitet bist, zufrieden vom Set kommst und beim nächsten Mal wieder zusagst. Eine Fehlbesetzung kostet sie den Kunden.
Wird sie dagegen von Bewerbern bezahlt, verdient sie an Bewerbungen. Dann ist Vermittlung nicht mehr die Einnahmequelle, sondern ein Kostenfaktor — und die Zahl der Bewerber wird zur Kennzahl. Solche Modelle brauchen keine Produktionen, sie brauchen Zulauf.
Deshalb ist es sinnvoll, vor jeder Zusammenarbeit eine einzige Frage zu stellen: Wer wird bezahlt, wenn keine Vermittlung zustande kommt. Die Antwort ordnet ein Angebot zuverlässiger ein als jedes Versprechen. Der Beitrag zu unseriösen Angeboten geht die Muster durch, die dabei auffallen.
Was eine Agentur nicht tut
Genauso wichtig wie die Leistungen sind die Grenzen. Vier Dinge gehören ausdrücklich nicht zur Arbeit einer Vermittlung.
- Keine Kontaktvermittlung an Dritte. Eine Castingagentur vermittelt Rollen in Produktionen, keine privaten Kontakte, keine Treffen, keine Begleitungen mit sexuellen Handlungen.
- Kein Verkauf von Karteien. Deine Daten gehen nicht an andere Agenturen und nicht an Datenbanken Dritter. Auf eine formlose Mail werden sie binnen sieben Tagen gelöscht.
- Keine Erfolgsgarantie. Niemand kann zusichern, dass eine Besetzung zustande kommt. Wer das verspricht, verkauft dir etwas anderes als Vermittlung.
- Keine Ausbildung gegen Geld. Kurse, Coachings und Portfolioleistungen, die vor der ersten Vermittlung bezahlt werden müssen, sind ein Verkaufsmodell, kein Vermittlungsmodell.
Wo die Grenzen der Vermittlung liegen
Eine Agentur kann Anfragen weitergeben, Konditionen verhandeln und Verträge prüfen. Sie kann nicht garantieren, dass es Anfragen gibt, die zu dir passen. Ob und wie oft du gebucht wirst, hängt von Formaten, Terminen und Budgets ab, die niemand steuern kann.
Sie kann auch nicht garantieren, dass an einem Drehtag alles glatt läuft. Was sie leisten kann, ist Verbindlichkeit im Vorfeld: dokumentierte Grenzen, geprüfte Verträge, benannte Ansprechpartner, klare Zahlungsfristen — und ein Ansprechpartner, wenn am Set etwas anders läuft als vereinbart. Zusätzlich gehört zur Arbeitsweise, dass jede Bewerbung eine Antwort bekommt, innerhalb von 48 Stunden und auch dann, wenn sie eine Absage ist.
Was du von einer Vermittlung verlangen kannst
Aus der Arbeitsweise ergeben sich Ansprüche, die du nicht erbitten musst. Sie sind Bestandteil der Leistung, für die die Produktion bezahlt.
- Vollständige Angaben vor jeder Zusage. Inhalt, Drehpartner, Dauer, Ort, Gage und Zahlungsfrist gehören auf den Tisch, bevor du entscheidest.
- Den Vertrag vor dem Drehtag. Nicht am Set, nicht mündlich, und mit genug Zeit, ihn zu lesen oder prüfen zu lassen.
- Einen benannten Ansprechpartner. Erreichbar am Drehtag, für den Fall, dass etwas vom Vereinbarten abweicht.
- Eine Antwort auf jede Bewerbung. Innerhalb von 48 Stunden, auch wenn sie negativ ausfällt.
- Kontrolle über deine Daten. Keine Weitergabe an andere Agenturen, keine Kartei für Dritte, Löschung binnen sieben Tagen auf eine formlose Mail.
- Kontakt nur über die vereinbarten Kanäle. Keine Briefpost nach Hause, weil Post im Haushalt von Menschen gelesen wird, die nichts davon wissen sollen.
Ein Muster, das im Markt häufig vorkommt
Bei der Durchsicht deutschsprachiger Casting-Auftritte fällt eine Konstruktion auf, die keine Vermittlung ist, aber wie eine aussieht: Portale, die ausschließlich als Zubringer für eine einzige Produktionsfirma arbeiten. Sie sammeln Bewerbungen ein und leiten sie an genau einen Abnehmer weiter, den sie im Text nicht immer als solchen kennzeichnen.
Das ist nicht per se unseriös — es ist Nachwuchsakquise, und die darf jede Produktion betreiben. Für dich ist es aber ein anderes Angebot als eine Vermittlung an mehrere Produktionen, weil du nur eine Adresse erreichst und keine Auswahl hast. Prüfen lässt sich das leicht: Wer im Impressum und in den Rechtsseiten steht und ob es überhaupt mehrere Abnehmer gibt. Wie wir selbst aufgestellt sind und wovon wir bezahlt werden, steht auf der Seite über uns.
Hinweis: Dieser Beitrag ordnet allgemein ein und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
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