Lexikon · Geld und Steuern
Vermittlungsprovision
Das Entgelt, das eine Agentur für die Vermittlung einer Buchung erhält und das bei seriöser Arbeit die Produktion zahlt, nicht der Darsteller.
Die Vermittlungsprovision ist das Entgelt, das eine Agentur dafür erhält, dass sie eine Buchung zustande bringt: Auswahl passender Darsteller, Abstimmung von Terminen, Konditionen und Vertrag, Betreuung bis zum Drehtag. Entscheidend ist nicht die Höhe, sondern wer sie zahlt.
Wer die Rechnung bekommt
Bei seriöser Vermittlung zahlt die Produktion. Sie ist der Auftraggeber der Agentur: Sie sucht Besetzung, sie beauftragt die Suche, sie trägt die Kosten. Für Bewerber entstehen keine Kosten — weder für die Aufnahme in die Kartei noch für Vermittlung, Beratung oder Bearbeitung. Das gilt auch dann, wenn am Ende keine Buchung zustande kommt.
Die Provision ist damit ein Teil des Produktionsbudgets, wie Location, Technik oder Team. Sie wird nicht von deinem Honorar abgezogen. Was zwischen dir und der Produktion vereinbart ist, bekommst du in vereinbarter Höhe — die Rahmen dafür stehen auf der Seite Verdienst.
Der Grund für dieses Modell ist wirtschaftlich, nicht moralisch. Eine Agentur, die von Produktionen bezahlt wird, verdient nur an tatsächlich zustande gekommenen Buchungen. Sie hat damit dasselbe Interesse wie du: passende Besetzung statt möglichst viele Karteieinträge.
Wie unseriöse Modelle aussehen
Zwei Varianten sind verbreitet und beide sind ein Hinweis auf ein anderes Geschäftsmodell. Die erste: Gebühren vom Bewerber. Aufnahmegebühr, Karteigebühr, Pflichtshooting für die Sedcard, bezahlter Kurs oder Beratungspaket. Wer sein Geld mit Bewerbern verdient, braucht keine Buchungen, sondern Bewerber — das verschiebt jeden Anreiz.
Die zweite: Abzug von der Gage. Hier wird eine Provision einbehalten, sodass am Ende weniger ankommt als verhandelt. Das ist nicht automatisch unzulässig, wenn es transparent vereinbart wurde, führt aber zu einem Interessenkonflikt: Die Agentur verdient dann an deiner Arbeit, nicht an ihrer eigenen Leistung gegenüber der Produktion.
Welche weiteren Merkmale unseriöse Angebote haben, beschreibt der Beitrag Unseriöse Angebote erkennen.
Was du vor der Zusammenarbeit fragst
- Wer zahlt die Provision, und lässt sich das schriftlich bestätigen?
- Entstehen mir zu irgendeinem Zeitpunkt Kosten — auch für Fotos, Tests oder Reisen?
- Erhalte ich die vereinbarte Gage vollständig, oder wird etwas einbehalten?
- Bin ich verpflichtet, künftige Aufträge über diese Agentur abzuwickeln? Das betrifft den Exklusivvertrag und ist getrennt zu bewerten.
Wirtschaftlich betrachtet
Eine Provision, die die Produktion zahlt, ist für dich steuerlich ohne Belang: Sie erscheint nicht in deinen Einnahmen und nicht in deinen Ausgaben. Wird dagegen etwas von deinem Honorar abgezogen, ist der Bruttobetrag deine Einnahme und der Abzug eine Ausgabe. Beides muss dann in der Buchführung sichtbar sein, sonst stimmt die Gewinnermittlung nicht.
Behalte in jedem Fall Auftragsbestätigung, Vertrag und Zahlungsnachweis. Bei Rückfragen ist die Zahlungskette der einzige belastbare Beweis dafür, wer wen bezahlt hat.
Der Eintrag ordnet den Begriff ein und ersetzt keine Steuerberatung.
Offene Frage dazu?
Begriffe erklären das Was, nicht immer das Wie im eigenen Fall. Wenn du wissen willst, was das konkret für dich bedeutet, frag uns — daraus muss keine Bewerbung werden. Viele Antworten stehen schon bei den häufigen Fragen.