Lexikon · Vertrag und Recht
ID-Shot
Eine kurze Aufnahme, auf der die mitwirkende Person ihr Ausweisdokument in die Kamera hält, um Person, Dokument und Dreh zuzuordnen.
Der ID-Shot ist eine kurze Foto- oder Videoaufnahme, auf der die mitwirkende Person ihr Ausweisdokument sichtbar in die Kamera hält. Er verbindet drei Dinge miteinander: die Person, ihr Dokument und den konkreten Drehtag.
Warum die Kopie allein nicht genügt
Eine Ausweiskopie in der Akte belegt, dass irgendwann irgendwo ein Dokument vorgelegen hat. Sie belegt nicht, dass die Person auf der Kopie dieselbe ist, die an diesem Tag vor der Kamera stand. Der ID-Shot schließt diese Lücke, weil Gesicht und Dokument in einer Aufnahme zusammenfallen, die am Drehort entstanden ist.
Deshalb verlangen Vertriebspartner und Plattformen ihn zusätzlich zum Altersnachweis. Für die Produktion ist er der Beleg, dass die Besetzung eines Drehs vollständig dokumentiert ist. Für dich ist er der Beweis, dass deine Mitwirkung an diesem Tag erfasst und einem Vertrag zugeordnet wurde.
So läuft es ab
Aufgenommen wird vor dem Drehbeginn, in Straßenkleidung, häufig direkt nach der Vertragsunterzeichnung. Du hältst das Dokument neben dein Gesicht, gelesen werden muss vor allem Foto, Name und Geburtsdatum. Manche Produktionen lassen das Datum und den Produktionstitel dazu nennen. Die Aufnahme dauert Sekunden und gehört inhaltlich nicht zur Szene.
Ein ID-Shot in Rolle, in Kostüm oder unbekleidet ist unüblich und sachlich unnötig. Wenn ein Team darauf besteht, ist das ein Anlass zurückzufragen, wofür genau diese Aufnahme gebraucht wird.
Zwei praktische Punkte fallen sonst am Drehtag auf. Erstens muss das Dokument gültig sein: Ein abgelaufener Personalausweis wird als Nachweis regelmäßig nicht anerkannt, und dann steht der Tag infrage. Zweitens hängt es von der Produktion ab, ob je Drehtag oder je Produktion eine Aufnahme verlangt wird. Bei längeren Projekten mit Pausen kann der ID-Shot mehrfach erneuert werden.
Wo die Aufnahme bleibt
Der ID-Shot wird zusammen mit Vertrag und Nachweisen in der Produktionsakte abgelegt, getrennt vom Rohmaterial der Szene. Er ist kein Teil der Veröffentlichung: Er landet nicht im fertigen Film, nicht im Trailer, nicht im Vorschaubild und nicht im Behind the Scenes. Wer damit anders umgeht, verletzt seinen eigenen Verwendungszweck.
Zugriff hat der Kreis, der die Nachweise führt, nicht das gesamte Team. Aufbewahrt wird die Aufnahme so lange, wie die Nachweispflicht gegenüber den Vertriebspartnern besteht. Danach gilt für sie dasselbe wie für die Ausweiskopie: löschen.
Was du dir zusichern lassen solltest
Halte drei Punkte schriftlich fest, am besten im Vertrag selbst. Erstens: Der ID-Shot dient ausschließlich der Nachweisführung. Zweitens: Er wird nicht veröffentlicht und nicht an Dritte weitergegeben, die keinen Nachweis führen müssen. Drittens: Er wird gelöscht, wenn der Zweck entfällt.
Wenn du unter einem Künstlernamen arbeitest, ändert der ID-Shot daran nichts, denn er verlässt die Akte nicht. Welche Möglichkeiten es sonst gibt, den Klarnamen aus der Öffentlichkeit zu halten, beschreibt der Beitrag anonym arbeiten.
Dieser Text erklärt die Branchenpraxis und ersetzt keine Rechtsberatung.
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