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Lexikon · Produktion und Set

B-Roll

Zusatzmaterial neben den Hauptaufnahmen — Detailbilder, Übergänge und Atmosphäre —, das gesondert von den Nutzungsrechten erfasst sein muss.

B-Roll ist alles Bildmaterial, das neben den eigentlichen Hauptaufnahmen entsteht: Detailaufnahmen, Übergänge, Atmosphärebilder, Zwischenschnitte. Der Ausdruck stammt aus der Zeit zweier Filmrollen, bei der die A-Rolle die Haupthandlung trug und die B-Rolle das Material zum Auffüllen und Überbrücken.

Was am Drehtag als B-Roll aufgenommen wird

  • Details am Körper: Hände, Augen, Mund, Tattoos, Haut in Nahaufnahme.
  • Kleidung und Gegenstände: ein Schuh, ein Verschluss, eine Requisite auf dem Tisch.
  • Bewegungen ohne Handlung: Gehen durch eine Tür, Hinsetzen, Umdrehen.
  • Raum und Atmosphäre: Fenster, Licht, Einrichtung, Totale des Raums.

Diese Aufnahmen dauern oft nur Sekunden und werden zwischendurch abgegriffen, manchmal ohne Ansage. Für dich fühlt sich das nach Nebensache an. Im Schnitt sind es die Bilder, die eine Szene überhaupt erst zusammensetzbar machen.

Warum das vertraglich zählt

B-Roll wird häufig getrennt vom Hauptmaterial verwertet. Typische Verwendungen sind Trailer, Vorschaubilder, Werbeclips für Plattformen, Social-Media-Ausschnitte oder Archivmaterial für spätere Produktionen. Es kann also in Kanälen auftauchen, an die du beim Dreh nicht gedacht hast, und es kann länger im Umlauf bleiben als die Hauptproduktion.

Genau deshalb muss B-Roll von deinen Nutzungsrechten erfasst sein. Ein Modelvertrag, der nur „die Produktion“ nennt, lässt offen, ob Detail- und Atmosphäreaufnahmen dazugehören. Diese Lücke wird im Zweifel zu deinen Lasten ausgelegt, weil niemand später rekonstruieren kann, welche Sekunde zu welchem Zweck gedreht wurde.

Hinzu kommt die Langlebigkeit dieses Materials. Detailaufnahmen ohne erkennbares Gesicht altern kaum und wandern deshalb in Archive, aus denen sich spätere Produktionen bedienen. Ist die Vergütung als Buyout vereinbart, also einmalig für dauerhafte Nutzung, gilt das auch für diese Zweitverwendung. Nachträglich lässt sich dafür nichts mehr abrechnen.

Was im Vertrag stehen sollte

Sinnvoll ist eine Formulierung, die alle am Drehtag entstehenden Aufnahmen einbezieht und für sie dieselben Bedingungen festlegt wie für das Hauptmaterial: gleicher Zeitraum, gleiches Gebiet, gleiche Kanäle. Damit brauchst du nicht Aufnahme für Aufnahme zu prüfen, was wovon erfasst ist.

Wenn du bestimmte Details ausschließen willst — etwa ein Tattoo oder ein Muttermal, an dem du erkennbar bist —, gehört dieser Ausschluss ausdrücklich in den Vertrag und zusätzlich in die Absprache am Set. Solche Merkmale sind der häufigste Weg, über den Anonymität verloren geht. Der Beitrag anonym arbeiten geht darauf im Detail ein.

Am Set nachfragen

Wenn die Kamera plötzlich sehr nah an ein Detail geht, frag kurz, wofür die Aufnahme gedacht ist. Das ist eine normale Frage und keine Störung des Ablaufs. Achte außerdem darauf, dass B-Roll etwas anderes ist als Behind-the-Scenes-Material: B-Roll gehört zur Produktion, BTS zeigt das Drehgeschehen und braucht eine eigene Regelung.

Dieser Eintrag ordnet ein und ersetzt keine Rechtsberatung.

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