Lexikon · Rollen und Formate
Hauptrolle
Die tragende Rolle einer Produktion: längster Einsatz am Set, höchste Sichtbarkeit im fertigen Material und die Gage im oberen Bereich der Spanne.
Die Rolle, die eine Produktion trägt: Sie steht im Zentrum der Handlung, ist am längsten im Bild und bestimmt, wie das fertige Material wirkt. Wer eine Hauptrolle übernimmt, arbeitet in der Regel den kompletten Drehtag durch, wird häufiger wiederholt aufgenommen und ist in nahezu jeder Einstellung erkennbar.
Warum der Drehtag länger wird
Eine Nebenfigur wird in zwei oder drei Blöcken abgedreht und ist danach fertig. Die Hauptrolle ist bei fast jeder Einstellung dabei, auch bei Wiederholungen, die wegen Licht, Ton oder Anschluss nötig werden. Der Tag reicht von der Maske bis zum Abbau.
Dazu kommt der Anteil, den vor dem ersten Dreh kaum jemand einplant: Wartezeit. Zwischen zwei Einstellungen wird umgebaut, gemessen und neu ausgeleuchtet. Diese Stunden verbringst du am Set, und sie sind Teil dessen, wofür die Tagesgage bezahlt wird. Wie sich ein solcher Tag konkret verteilt, beschreibt unser Beitrag über einen Drehtag von der Anreise bis zum Feierabend.
Wo die Gage liegt
Bei Videoproduktionen bewegt sich die Tagesgage zwischen 400 und 1.200 Euro, bei Fotoproduktionen zwischen 250 und 600 Euro. Hauptrollen liegen üblicherweise im oberen Bereich dieser Spannen. Der Unterschied ist kein Bonus für Prominenz, sondern bezahlt drei konkrete Dinge: mehr Stunden am Set, mehr Sichtbarkeit im Ergebnis und meist weiter gefasste Nutzungsrechte.
Die Auszahlung erfolgt bei uns innerhalb von 14 Tagen per Überweisung, Barzahlung gibt es nicht. Die vollständigen Bandbreiten und die Abzüge, die davon noch abgehen, stehen auf der Seite zum Verdienst.
Das Gesicht ist meist Teil der Buchung
Eine Hauptrolle ohne erkennbares Gesicht ist die Ausnahme. Produktionen besetzen sie gerade deshalb, weil sie ein Gesicht brauchen, das die Handlung trägt und das später auf Covern, in Vorschaubildern und in der Bewerbung des Titels auftaucht. Wenn Anonymität für dich Bedingung ist, ist die Hauptrolle der falsche Einstieg; die Nebenrolle lässt sich deutlich leichter absichern.
Marketingmaterial ist rechtlich eine eigene Nutzungsart. Sie muss im Vertrag stehen und wird in der Praxis meist über ein Buyout pauschal abgegolten. Welche Wege es gibt, das eigene Gesicht trotzdem herauszuhalten, und wo diese Wege enden, steht im Beitrag zum anonymen Arbeiten.
Fünf Fragen vor der Zusage
Frage erstens nach dem geplanten Drehschluss, nicht nur nach dem Drehbeginn. Zweitens danach, wie viele Szenen für dich vorgesehen sind. Drittens, ob Gesichtsaufnahmen verpflichtend sind oder ob es Einstellungen ohne Gesicht gibt.
Viertens: Für welche Kanäle und für welches Gebiet gelten die Nutzungsrechte, und ist Marketingmaterial eingeschlossen? Fünftens: Steht die Tagesgage fest, oder hängt sie an einer Zahl gedrehter Szenen? Eine seriöse Produktion beantwortet alle fünf Punkte vor der Unterschrift schriftlich. Wer ausweicht, liefert damit schon die Antwort.
Was eine Hauptrolle nicht ist
Sie ist keine Voraussetzung für eine Laufbahn und kein Beweis für Können. Viele erfahrene Darstellerinnen und Darsteller arbeiten bewusst überwiegend in kleineren Rollen, weil die Drehtage kürzer sind, die Belastung geringer ist und die Verwertung überschaubarer bleibt. Die Hauptrolle bringt die höchste Gage eines einzelnen Tages, aber sie verlangt dafür den größten Anteil an Zeit, Sichtbarkeit und Rechten.
Offene Frage dazu?
Begriffe erklären das Was, nicht immer das Wie im eigenen Fall. Wenn du wissen willst, was das konkret für dich bedeutet, frag uns — daraus muss keine Bewerbung werden. Viele Antworten stehen schon bei den häufigen Fragen.