
Der Normalfall in dieser Branche ist nicht die Vollzeitdarstellerin, sondern die Person mit einem Hauptberuf, die zwei bis vier Tage im Jahr oder im Monat dreht. Wer nebenberuflich Pornos drehen will, hat deshalb keine Ausnahmesituation, sondern die häufigste Konstellation überhaupt. Sie bringt drei Baustellen mit, die vor der ersten Zusage geklärt sein sollten: die arbeitsrechtliche Seite gegenüber dem Arbeitgeber, die schlichte Terminfrage, weil Drehtage auf Werktagen liegen, und die Diskretion im Kollegenkreis. Alle drei sind lösbar, keine davon löst sich von selbst.
Nebentätigkeit: was gilt und was nicht pauschal zu sagen ist
Der Grundsatz ist klar: Was du in deiner Freizeit arbeitest, ist deine Sache. Ein generelles Verbot von Nebentätigkeiten ist unwirksam, weil die Berufsfreiheit dagegensteht. Daraus folgt aber nicht, dass es keine Pflichten gibt.
Sehr viele Arbeitsverträge enthalten eine Anzeige- oder Genehmigungsklausel: Du musst die Nebentätigkeit melden, und der Arbeitgeber kann sie untersagen, wenn er ein berechtigtes Interesse hat. Als berechtigtes Interesse gelten typischerweise Konkurrenztätigkeit, Überschreitung der Arbeitszeitgrenzen, Beeinträchtigung deiner Leistung oder eine Rufschädigung des Arbeitgebers. Der letzte Punkt ist der, an dem es bei dieser Tätigkeit hängen kann, und er ist eine Abwägung im Einzelfall.
Dazu kommen Regeln, die unabhängig vom Vertrag gelten. Die Arbeitszeit aus mehreren Tätigkeiten wird zusammengerechnet, und der Urlaub darf nicht für eine Erwerbstätigkeit genutzt werden, die dem Urlaubszweck widerspricht. Im öffentlichen Dienst und im Beamtenverhältnis gelten strengere Vorgaben, oft mit echter Genehmigungspflicht.
Warum wir hier keine pauschale Auskunft geben: Die Antwort hängt von deinem konkreten Vertrag ab, von deiner Position, von der Branche und davon, wie erkennbar du in der Öffentlichkeit auftreten würdest. Wer eine belastbare Aussage braucht, lässt den Arbeitsvertrag von einer Fachanwältin für Arbeitsrecht ansehen. Ein einmaliger Termin kostet weniger als ein Drehtag einbringt.
Drehtage sind Werktage
Die praktisch häufigste Fehlannahme. Produktionen drehen montags bis freitags, weil Studios, Teams, Maske, Technik und Locations an Werktagen arbeiten. Wochenendtermine gibt es, sie sind aber die Ausnahme und meist bei kleineren Produktionen.
Für dich heißt das: Du brauchst freie Werktage. Urlaubstage, Gleitzeit, Zeitausgleich, Teilzeit mit festen freien Tagen oder Schichtdienst mit freien Vormittagen. Wer eine Vollzeitstelle mit festen Bürozeiten hat und keine flexiblen Tage, kommt selten über zwei bis vier Drehtage im Jahr.
Die zweite Zeitfrage ist die Vorlaufzeit. Anfragen kommen oft eine bis zwei Wochen vorher, manchmal kürzer. Wer Urlaub drei Monate im Voraus beantragen muss, kann kaum zusagen. Bewährt hat sich, ein bis zwei freie Tage pro Monat vorzuhalten, ohne sie zu verplanen — dann kannst du auf eine Anfrage antworten, statt sie abzulehnen.
Und rechne mit dem ganzen Tag. Ein Drehtag dauert acht bis zwölf Stunden, oft mit Anreise davor. Wer am Folgetag um sieben im Büro sein muss, sollte den Termin nicht auf einen Donnerstag legen. Wie so ein Tag konkret verläuft, steht im Beitrag zum Drehtag von der Anreise bis zum Feierabend.
Die steuerliche Seite in Grundzügen
Du arbeitest bei Drehs nicht angestellt, sondern selbstständig. Es gibt keinen Lohnzettel und keinen automatischen Steuerabzug. Vier Punkte reichen für den Anfang.
- Anmeldung. Eine einzelne Produktion aus Neugier ist noch kein Gewerbe. Wer dauerhaft und mit Gewinnabsicht dreht, ist gewerblich tätig und meldet das beim Gewerbeamt an.
- Nebenberuflich ist nicht steuerfrei. Der verbreitete Satz, unter einem bestimmten Betrag müsse man nichts angeben, ist falsch. Einkünfte sind ab dem ersten Euro steuerpflichtig. Wer angestellt ist und daneben dreht, hat Einkünfte aus zwei Quellen und gibt eine Steuererklärung ab.
- Versteuert wird der Gewinn, also Einnahmen minus Betriebsausgaben. Absetzbar ist, was betrieblich veranlasst ist: Fahrten, Übernachtungen, Ausstattung, Tests, Fortbildung, Steuerberatung.
- Zurücklegen. Die Steuer wird nicht laufend abgezogen, sondern nach der Erklärung fällig, oft mit einem Jahr Verzögerung. Als Faustregel: 30 Prozent jeder Gage auf ein separates Konto, das nicht angefasst wird.
Beim Nebenverdienst kommt ein Punkt hinzu, der leicht übersehen wird: Zusätzliche Einkünfte können deinen persönlichen Steuersatz anheben, sodass auf den Nebenverdienst prozentual mehr entfällt als auf das erste Einkommen. Die vollständige Darstellung mit Kleinunternehmerregelung, Rechnungspflichtangaben und Fristen steht im Beitrag zu Gewerbe und Steuern für Darsteller.
Diskretion gegenüber Kollegen
Die praktische Regel lautet: Eine Information, die zwei Kollegen kennen, ist keine mehr. Wer nebenberuflich dreht, sollte am Arbeitsplatz nichts davon erzählen — auch nicht der einen Person, der man vertraut, auch nicht nach dem dritten Bier auf der Weihnachtsfeier.
Technisch gehört dazu eine konsequente Trennung: eigene Mailadresse, eigene Telefonnummer, eigene Profile für die Arbeit, keine dienstlichen Geräte, kein Firmen-WLAN, keine Buchungsmails auf dem Diensthandy. Die meisten Zuordnungen entstehen nicht durch Recherche, sondern durch Nachlässigkeit.
Ein Punkt, der dabei oft vergessen wird: Auch Kollegen, die nichts wissen, sehen deinen Kalender. Wiederkehrende freie Donnerstage ohne Erklärung fallen auf. Ein schlichter, gleichbleibender Grund für den freien Tag ist unauffälliger als jedes Mal eine neue Geschichte.
Dazu kommt der Künstlername, der in der Veröffentlichung steht, während dein bürgerlicher Name nur im Vertrag und in der nicht öffentlichen Altersdokumentation erscheint. Was darüber hinaus möglich ist und wo die Grenzen liegen, steht im Beitrag zum anonymen Arbeiten. Kurz gefasst: Du kannst die Wahrscheinlichkeit einer Zuordnung erheblich senken, auf null bekommst du sie nicht.
Wann Nebenberuflichkeit an ihre Grenze kommt
Es gibt drei Punkte, an denen die Konstruktion nicht mehr trägt. Der erste ist die Menge: Ab etwa zwei Drehs im Monat wird der Aufwand für Termine, Tests, Anreise und Buchhaltung so groß, dass er neben einer Vollzeitstelle kaum unterzubringen ist.
Der zweite ist die Sichtbarkeit. Wenn du regelmäßig mit Gesicht in gut vermarkteten Produktionen auftauchst, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es im Berufsumfeld bemerkt wird. Das ist kein Argument gegen die Tätigkeit, aber der Moment, in dem die Frage nach der Anzeigepflicht praktisch wird.
Der dritte ist die Erschöpfung. Zwei Drehtage im Monat neben einer Vollzeitstelle bedeuten zwei Tage ohne Erholung. Wer das über Monate macht, merkt es zuerst am Hauptjob. Sag uns, wenn es zu viel wird — wir buchen niemanden voll, der eine Pause braucht.
Wer an diese Grenze kommt, hat zwei Optionen: reduzieren oder umsteigen. Der Wechsel in eine hauptberufliche Tätigkeit will gerechnet sein, weil die Auftragslage unregelmäßig ist und ein verlässliches Monatseinkommen daraus erst mit Kontinuität entsteht. Die Zahlen dazu stehen auf unserer Seite zum Verdienst.
Hinweis: Dieser Beitrag ordnet allgemein ein und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Ob und wie eine Nebentätigkeit in deinem Fall anzuzeigen ist, ergibt sich aus deinem Arbeitsvertrag und den Umständen des Einzelfalls.
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