Lexikon · Sicherheit und Consent
No-List
Die separat geführte Aufstellung der Handlungen, die für dich ausgeschlossen sind und nicht verhandelt werden.
Die No-List ist die getrennt geführte Aufstellung der Handlungen, die für dich ausgeschlossen sind — vollständig, ohne Bedingung und ohne Preisschild. Inhaltlich entspricht sie der Nein-Spalte der Ja-Nein-Vielleicht-Liste, wird in der Praxis aber als eigenes Blatt geführt.
Der Unterschied ist nicht kosmetisch. Die Grenzenliste ist ein Abstimmungsdokument, über das vor der Buchung gesprochen wird. Die No-List ist der Teil davon, über den nicht gesprochen wird.
Warum ein eigenes Blatt
Eine dreispaltige Liste lädt zum Wandern ein: Wer sieht, dass daneben eine Vielleicht-Spalte steht, fragt leicht, ob sich der eine Punkt nicht doch verschieben ließe. Ein separates Blatt macht sichtbar, dass diese Einträge einen anderen Status haben.
Praktisch ist es außerdem am Drehtag brauchbarer. Die No-List passt auf eine Seite, hängt bei manchen Produktionen mit im Ablaufplan und lässt sich in dreißig Sekunden prüfen. Die vollständige Grenzenliste liest am Set niemand mehr.
Nicht verhandelbar, auch nicht gegen Aufschlag
Der häufigste Testballon am Set ist eine Zahl: eine Zulage für eine Handlung, die auf der No-List steht. Genau das ist der Moment, in dem sich entscheidet, ob die Liste etwas wert ist.
Eine Zulage ändert nichts an der Grundlage. Wer eine ausgeschlossene Handlung gegen Geld doch macht, hat nicht besser verhandelt, sondern die eigene Liste entwertet — für diesen Dreh und für alle künftigen, denn die Information verbreitet sich in der Branche.
Seriöse Produktionen fragen deshalb gar nicht erst. Sie besetzen die Szene anders oder ändern das Drehbuch. Was in einer Gage tatsächlich verhandelbar ist, steht unter Tagesgage.
Wenn sie am Set angetastet wird
Dann wird abgebrochen. Nicht diskutiert, nicht abgewogen, nicht auf später vertagt. Sag, dass der Punkt auf deiner No-List steht, und beende den Drehtag.
Die vereinbarte Gage bleibt in diesem Fall bei dir. Der Grund ist einfach: Du warst am vereinbarten Ort, zur vereinbarten Zeit, bereit zur vereinbarten Leistung. Dass nicht gedreht wurde, liegt an einer Forderung, die nie Vertragsinhalt war. Bei unseren Vermittlungen ist das mit der Produktion vorab geregelt.
Wie du sie formulierst
Konkret und ohne Weichmacher. Nicht eher ungern, nicht momentan nicht, sondern die Handlung benennen und ausschließen. Weiche Formulierungen werden gelesen, wie sie klingen, nämlich als Verhandlungsspielraum.
Nimm auch Punkte auf, die nicht sexuell sind: keine Aufnahmen, die deinen Wohnort erkennbar machen, keine Zusammenarbeit ohne gültigen Test, keine Veröffentlichung auf bestimmten Kanälen. Eine No-List darf ebenso Rahmenbedingungen betreffen wie Handlungen.
Und halte sie kurz. Eine Liste mit drei klaren Ausschlüssen wird eingehalten. Eine mit vierzig Punkten wird nicht gelesen.
Offene Frage dazu?
Begriffe erklären das Was, nicht immer das Wie im eigenen Fall. Wenn du wissen willst, was das konkret für dich bedeutet, frag uns — daraus muss keine Bewerbung werden. Viele Antworten stehen schon bei den häufigen Fragen.