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Lexikon · Vertrag und Recht

Verschwiegenheitsklausel

Vertragliche Pflicht, Interna einer Produktion nicht weiterzugeben — sie darf dich aber nicht an einer Anzeige oder an Rechtsberatung hindern.

Eine Verschwiegenheitsklausel verpflichtet dich, bestimmte Informationen aus einer Produktion nicht weiterzugeben: Namen von Beteiligten, Drehorte, unveröffentlichte Inhalte, Konditionen. Sie steht in fast jedem Modelvertrag und ist für sich genommen nichts Ungewöhnliches.

Was üblicherweise geschützt wird

  • Identität und Klarnamen der anderen Beteiligten
  • Drehort, Termine und noch nicht veröffentlichte Inhalte
  • Gagen und Vertragskonditionen
  • Interna wie Abläufe, Technik und Geschäftsbeziehungen
  • eigenes Material vom Set, also Fotos und Videos hinter der Kamera

Der Schutz sollte in beide Richtungen laufen. Dieselbe Vertraulichkeit, die die Produktion für ihre Interna beansprucht, gilt dann auch für deinen Klarnamen und deine Daten. Prüfe das ausdrücklich, denn einseitig formulierte Klauseln kommen vor.

Wo die Klausel endet

Das ist der wichtigste Teil dieses Eintrags. Eine Verschwiegenheitsklausel darf dich nicht daran hindern,

  • eine Straftat bei Polizei oder Staatsanwaltschaft anzuzeigen,
  • als Zeuge auszusagen oder Behörden gegenüber Auskunft zu geben,
  • anwaltliche Beratung einzuholen und dabei den Vertrag offenzulegen,
  • gesetzliche Pflichten zu erfüllen, etwa gegenüber Finanzamt oder Steuerberater,
  • medizinische oder psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wenn am Set eine Grenze überschritten wurde oder eine Straftat geschehen ist, ist das kein Betriebsgeheimnis der Produktion. Eine Klausel, die genau so gelesen werden soll, ist ein Warnsignal: Sie versucht, Anzeigen zu verhindern.

Auch die Vertrauensperson fällt nicht darunter. Mit jemandem zu sprechen, der dich begleitet oder berät, ist keine Veröffentlichung. Welche Regeln bei uns am Set gelten, steht unter Sicherheit.

Wenn Druck aufgebaut wird

Der Ablauf ist meist derselbe. Es wird nicht mit Recht argumentiert, sondern mit Folgen: Vertragsstrafe, keine weiteren Buchungen, im schlimmsten Fall die Drohung, Material oder deinen Klarnamen zu veröffentlichen.

Genau an dieser Stelle gehört der Fall zu einem Anwalt und nicht in eine Diskussion per Nachricht. Überhöhte Strafversprechen und Drohungen mit dem Klarnamen sind bekannte Muster unseriöser Angebote und sagen mehr über die Gegenseite als über deine Rechtslage.

Die Klausel im Vertrag durchgehen

  • Gilt die Vertraulichkeit gegenseitig?
  • Ist der Umfang benannt, oder erfasst sie schlicht alle Informationen?
  • Gibt es eine Laufzeit, oder wirkt sie unbegrenzt?
  • Sind gesetzliche Auskunftspflichten und rechtliche Beratung ausdrücklich ausgenommen?
  • Hängt eine Strafe daran, und in welcher Höhe?

Fehlt die Ausnahme für Behörden und Beratung, bedeutet das nicht automatisch, dass die Klausel so weit reicht. Es bedeutet, dass du im Zweifel selbst darauf hinweisen musst. Eine Ergänzung vor der Unterschrift kostet einen Satz, ein Streit danach kostet deutlich mehr.

Dieser Eintrag ordnet den Begriff ein und ersetzt keine Rechtsberatung. Bei einer konkreten Klausel oder bei Druck nach einem Dreh ist anwaltliche Hilfe der richtige Weg.

Offene Frage dazu?

Begriffe erklären das Was, nicht immer das Wie im eigenen Fall. Wenn du wissen willst, was das konkret für dich bedeutet, frag uns — daraus muss keine Bewerbung werden. Viele Antworten stehen schon bei den häufigen Fragen.

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