
Es gibt einen Unterschied zwischen „Das würde ich nicht machen“ und einer Liste, die vor Drehbeginn auf dem Tisch liegt und die alle gelesen haben. Der Unterschied entscheidet, ob deine Grenze im Zweifel hält.
Warum mündlich nicht genügt
Am Set ist es laut, es wird improvisiert, Leute kommen dazu, die beim Vorgespräch nicht dabei waren. Was du der Regie morgens gesagt hast, weiß der Kameramann nachmittags nicht. Eine schriftliche Liste löst dieses Problem, weil sie unabhängig davon existiert, wer gerade zuhört.
Der zweite Grund ist der wichtigere: Nein sagen ist in der Situation schwerer als vorher. Wer in einem Raum voller Menschen steht, die auf ihn warten, sagt eher zu als am Küchentisch. Die Liste verlegt die Entscheidung an den Küchentisch.
Die drei Spalten
Ja — das machst du, ohne dass gefragt werden muss. Es steht in der Liste, damit die Produktion planen kann.
Vielleicht — kommt in Frage, aber nur nach Rücksprache, mit den richtigen Leuten, unter bestimmten Bedingungen. Diese Spalte ist die wichtigste, denn hier steht, was besprochen werden muss statt vorausgesetzt zu werden. Schreib die Bedingung dazu: „nur mit X“, „nur wenn vorher besprochen“, „nur ohne Gesicht“.
Nein — findet nicht statt. Ohne Begründung, ohne Diskussion. Ein Nein in dieser Spalte wird nicht am Set neu verhandelt.
Was hineingehört
Denk in Kategorien, nicht in Einzelfällen. Bewährt hat sich diese Gliederung:
- Handlungen: Was findet statt, was nicht. So konkret wie möglich — „nichts Grobes“ ist keine brauchbare Angabe.
- Personen: Mit wem drehst du, mit wem nicht. Geschlecht, Anzahl, konkrete Namen.
- Sichtbarkeit: Gesicht ja oder nein, Tattoos und Muttermale sichtbar oder nicht, erkennbare Umgebung.
- Körper: Bereiche, die nicht berührt oder gezeigt werden. Auch scheinbar Kleines gehört hier hinein.
- Sprache: Was gesagt werden darf und was nicht. Bestimmte Ansprachen sind für manche ein klares Nein — das ist eine legitime Grenze.
- Verwertung: Welche Kanäle, welcher Zeitraum, welches Gebiet. Gehört in den Vertrag, aber auch hierhin, weil es dieselbe Entscheidung ist.
Wie sie am Set benutzt wird
Vor Drehbeginn geht die Produktionsleitung die Liste mit dir durch — laut, vor allen Beteiligten. Es wird festgelegt, wer deine Ansprechperson ist, wenn etwas nicht passt. Und es wird ein Wort vereinbart, das den Dreh sofort anhält.
Ein Abbruchwort ist kein Drama. Es ist ein Werkzeug, wie „Schnitt“ auch. Wer es benutzt, muss nicht erklären, warum.
Die Liste darf sich ändern
In beide Richtungen. Nach dem dritten Dreh weißt du besser, was dir liegt — dann wandert Zeug von „Vielleicht“ nach „Ja“. Genauso kann etwas von „Ja“ nach „Nein“ wandern, weil es sich anders angefühlt hat als gedacht. Das ist normal und braucht keine Begründung.
Was nicht passiert: dass jemand am Set versucht, eine Grenze zu verschieben. Zustimmung ist nichts, was man einmal gibt und was dann für den ganzen Tag gilt. Sie ist situativ und jederzeit widerrufbar. Eine Produktion, die das anders sieht, ist eine, bei der wir nicht vermitteln.
Vorlage
Wir schicken dir nach der Bewerbung eine Vorlage mit rund 60 vorformulierten Punkten zum Ankreuzen. Du füllst sie in Ruhe zu Hause aus, nicht im Gespräch. Sie geht an niemanden außer an die Produktion, mit der du tatsächlich drehst.
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